Der Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft verfestigt sich
Die positiven Signale aus krisengeschüttelten Branchen überraschen selbst Konjunkturexperten. Für 2010 rechnen Ökonomen inzwischen mit kräftigem Wachstum.
Nachrichten wie diese zwingen die Forscher, ihre Wachstumsprognosen nach oben zu schrauben: Der von der Krise hart getroffene Chemie-Konzern BASF gab außerplanmäßig seine Zahlen für das dritte Quartal bekannt: Das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen wie Restrukturierungen stieg im dritten Quartal um 9,5 Prozent auf 1,25 Mrd. Euro. Weil diese Zahlen die Konsens-Schätzung der Analysten um mehr als zehn Prozent übertrafen, war der Konzern gezwungen, die positive Überraschung zu melden – solch erhebliche Abweichungen können den Börsenkurs stark beeinflussen. Auch für die Gesamtwirtschaft sind die guten BASF-Zahlen eine erfreuliche Nachricht. Üblicherweise profitiert die Chemiebranche zuerst von einem Aufschwung, ihre Entwicklung gilt deshalb als eine Art Prognose.
Weil sich auch die guten Meldungen aus anderen Branchen häufen, revidieren viele Ökonomen ihre Vorhersagen nach oben. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht sogar davon aus, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr um zwei Prozent zulegen wird nach einem erwarteten Einbruch um 4,8 Prozent in diesem Jahr. „Deutschland ist damit auf dem Weg raus aus der Krise“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.
Die Bundesregierung ist zwar nicht ganz so optimistisch, schraubt aber dennoch ihre Konjunkturerwartung offenbar kräftig nach oben. Sie wird ihre Wachstumsprognose am Freitag veröffentlichen – angeblich erwarten die Regierungsökonomen ein Wachstum von 1,2 Prozent im kommenden Jahr. Bisher war die Bundesregierung von einem Minus von einem halben Prozent ausgegangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bereits, dass sie im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum um ein Prozent erwarte. Sie warnte aber zugleich vor übertriebenen Erwartungen. „Wir kommen erst langsam aus dem Tal, sind aber noch lange nicht da, wo wir waren“, sagte Merkel.
Am heutigen Donnerstag übergeben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihr gemeinsames Herbstgutachten der Bundesregierung. Vorab wurde bekannt, dass die Wirtschaftsforscher ebenfalls ein Wachstum zwischen einem und 1,5 Prozent prognostizieren werden. Im April waren die Konjunkturexperten noch davon ausgegangen, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr weiter um ein halbes Prozent schrumpfen wird.
Internationale Beobachter haben zwar in den vergangenen Wochen ebenfalls ihre Prognosen für die Konjunktur nach oben revidiert, blieben allerdings weitaus vorsichtiger: Die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds erwarten, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,3 Prozent wächst, die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit 0,2 Prozent.
Auch im Ausland scheint sich die positive Entwicklung zu verfestigen: In Großbritannien stieg zwar die Arbeitslosenrate im September um 0,1 Prozentpunkte auf fünf Prozent. Der Arbeitsplatzabbau in Großbritanniens krisengeschüttelter Wirtschaft hat sich aber offenbar verlangsamt: Im September legte die Zahl der Arbeitslosenanträge nur noch um 20?800 zu und blieb damit weit hinter den Prognosen der Experten zurück.
Erfreuliche Nachrichten kommen auch aus den USA: Die Bank JPMorgan Chase hat im dritten Quartal 3,6 Mrd. Dollar Gewinn gemacht und damit an der Wall Street Hoffnung geweckt, dass die US-Finanzbranche die Krise hinter sich lässt. Auch die US-Einzelhändler haben im September nach dem Auslaufen der Abwrackprämie weniger starke Umsatzeinbußen erlitten als befürchtet – ein Indiz, dass die Amerikaner wieder in Kauflaune kommen.
Quelle: Welt-Online







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